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Mössbauerspektroskopie
Bei der Mössbauerspektroskopie macht man sich die von R.L. Mößbauer 1958
entdeckte Methode zur Beobachtung der resonanten Absorption von Gammaquanten
bei Kernübergängen zunutze, um
kleinste Verschiebungen und Aufspaltungen von Kernniveaus aufgrund der Hyperfeinwechselwirkung
mit der elektronischen Umgebung der Kerne in Festkörpern zu vermessen. Auf diese Weise
können wertevolle Informationen über die elektronische und kristallographische
Struktur der Festkörper gewonnen werden, sowie über deren magnetische Eigenschaften
und über den chemischen (Valenz-) Zustand der Mössbaueratome.
Mössbauerspektroskopie ist nur an bestimmten, dafür geeigneten Isotopen möglich.
In unserer Arbeitsgruppe führen wir vorwiegend Messungen mit 57Fe,
119Sn und 197Au durch. In geringerem Maße kommen die Isotope
191Ir, 121Sb, 99Ru und 151Eu zum Einsatz.
Um resonante Kernübergänge in diesen Nukliden anzuregen, benötigt man
radioaktive Quellen, die zu den genannten Isotopen zerfallen. Diese Quellen sind teilweise
kommerziell erhältlich (57Fe, 119Sn, 121Sb,
151Eu) und teilweise müssen sie durch Neutronenbestrahlung im Reaktor
immer wieder erzeugt werden (197Au, 191Ir). Der in nächster
Nähe zum Institut gelegene Forschungsreaktor FRM-I (bzw. in einigen Jahren der
neue Reaktor FRM-II) bietet hierfür ausgezeichnete Bedingungen.
Das Bild zeigt einen Blick in eines unserer Labors für Mössbauerexperimente.
Routinemäßig führen wir in unserer Arbeitsgruppe Mössbauermessungen
in Transmissionsgeometrie bei Raumtemperatur und 4.2 K (fl. Helium) durch sowie bei variablen
Temperaturen im Bereich von 10 bis 330 K. Daneben messen wir für spezielle
Anwendungen aber auch in Streugeometrie sowie mit Konversionselektronen. Für die
Konversionselektronen-Mössbauerspektroskopie (CEMS) am 197Au , die aufgrund
des kleinen Lamb-Mössbauer-Faktors nur bei tiefen Temperaturen möglich ist,
kommt eine spezielle, in unserer Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit einer japanischen
Gruppe entwicklte Detektortechnik zum Einsatz.
Anwendungsgebiete
Hier ist eine Auswahl von Forschungsgebieten, in denen die Mössbauerspektroskopie
in unserer Arbeitsgruppe zum Einsatz kommt:
- Metall-Wasserstoff-Systeme
In Zusammenarbeit mit einer russischen Gruppe werden Hydride von Übergangsmetallen
und Legierungen bei Drücken bis zu 9 GPa (90000 bar) synthetisiert und
mit der Mössbauerspektroskopie untersucht. In Kooperation werden die Hydride
außerdem mit Röntgen- und Neutronenbeugung untersucht. Geplant ist auch die
Anwendung der µSR-Spektroskopie auf diesem Gebiet. Die
in unserer Arbeitsgruppe vorhandene experimentelle Ausrüstung umfaßt
Wasserstoffbeladungsapparaturen für Drücke bis 2 bar (bei bis zu 600°C) und
Drücke bis 10 bar (bei Raumtemperatur), sowie eine Heißextraktionsapparatur,
die eine sehr genaue Bestimmung der Wasserstoffgehalte der Hydride erlaubt. Ziel der
Untersuchungen ist die Aufstellung von Phasendiagrammen, die Bestimmung
von Kristallstrukturen und die Untersuchung der magnetischen Eigenschaften von Hydriden
sowie des Diffusionsverhaltens des Wasserstoffs.
- Katalysatoren
In Zusammenarbeit mit Chemikern und Physikern aus England und Italien untersuchen wir
metallische Katalysatoren zur Oxidation von CO bei niedrigen Temperature, zur Methanolsynthese
aus Synthesegas und zur selektiven Reduktion von verschiedenkernigen Doppelbindungen.
Diese Katalysatoren bestehen meist aus
Übergangsmetallen wie Pt, Ir, Au, Ru und Legierungen, die auf verschiedene Substrate
wie Aktivkohle oder Metalloxiden aufgebracht sind. Ziel der Untersuchungen ist Korrelationen
zwischen der katalytischen Aktivität der Metalle und deren chemischem und physikalischem
Zustand zu finden, um so mit einem besseren Verständnis der Katalysemechanismen
gezielt nach effektiveren Katalysatoren suchen zu können.
- Gold-Nanoteilchen
Die Untersuchung von kleinen und kleinsten Metallatom-Clustern bietet interessante
Einsichten in den Übergangsbereich zwischen Atom-, Molekül und
Festkörperphysik. In unserer Arbeitsgruppe untersuchen wir Gold-Nanoteilchen
eingebettet oder adsorbiert in unterschiedlichen Trägersubstanzen wie Mylar,
Aktivkohle und Gläsern. Ziel ist mit Hilfe der Mössbauerspektroskopie
am 197Au die Unterschiede in der elektronischen Konfiguration von
Oberflächenatomen und Atomen im Inneren der Cluster zu vermessen sowie
Einflüsse der Teilchengröße auf die Leitungselektronendichte zu bestimmen.
- Prähistorische Keramik
Bei der Untersuchung archäologischer Keramik spielen physikalische
Methoden eine wichtige Rolle. Neben
Neutronenaktivierungsanalyse,
Röntgendiffraktometrie und Dünnschliffmikroskopie wenden wir
insbesondere die Mössbauerspektroskopie an, um das Material zu
charakterisieren. Die so erhaltene Klassifikation basiert auf
Materialeigenschaften, auf statistischen Argumenten und auf der
archäologischen Typologie. Sie erlaubt eine Diskussion von Handelsverbindungen
und Herstellungsmethoden in prähistorischer Zeit. Neben einer Bestimmung der
in der Keramik vorliegenden Eisenminerale ermöglicht die Mössbauerspektroskopie
in Verbindung mit Labor-Brennversuchen die Rekonstruktion früher
Brenntechniken. In unserem Labor wird zur Zeit frühe Keramik aus
Batán Grande, Peru und aus dem keltischen Oppidum von Manching untersucht.
Die Archäometrie-Gruppe unseres Instituts hat eine eigene
Homepage mit
zusätzlichen Informationen.
- Prähistorische Goldmünzen
Prähistorische Goldmünzen, hier insbesondere keltische Goldmünzen,
bestehen meist aus einer Au-Ag-Cu Legierung, wobei Silber und Kupfer nicht selten
einen Anteil von 20 At.% haben können. Durch Laugungseffekte, entweder durch
"Putzen" des Münzrohlings mit Säuren oder durch die jahrtausendlange
Bodenlagerung, werden die weniger edlen Metalle Silber und Kupfer aus der
Oberfläche ausgewaschen, so daß die Oberfläche goldreicher ist
als das Ausgangsmaterial. Oberflächenanalysen geben daher ein falsches Bild
von der Zusammensetzung. Herkömmliche Mössbauer-Transmissionsmessungen sind
wegen der Dicke der Münzen nicht möglich. Jedoch können
Mössbauerspektren in Rückstreugeometrie (Eindringtiefe 260 µm)
und CEMS-Messungen (Eindringtiefe 2.5 µm) in Kombination mit Dichtebestimmungen
Aufschluß über Ausgangsmaterial und Laugungseffekte
geben. Damit wird eine zerstörungsfreie Analyse der Münzen möglich.
- Einige weitere aktuelle Forschungsgebiete:
- Untersuchung von Golderzen
- Systematik von Goldverbindungen
- Gold in Gläsern (Goldrubinglas)
- Zinkferrite (Spinelle)
Arbeitsgruppe
Ausgewählte Veröffentlichungen
Diplom- und Doktorarbeiten
- Siegfried Haslbeck,
"Mössbaueruntersuchungen an Goldrubinglas,"
Diplomarbeit, 1998
(Zusammenfassung).
- Thomas M. A. Hutzelmann,
"Mössbaueruntersuchungen an archäologischer Keramik aus Batán Grande,"
Diplomarbeit, 1998.
- Gerhard Große,
"Mößbauerspektroskopische Untersuchungen am System
Mangan-Zinn-Wasserstoff,"
Doktorarbeit, 1997
(Zusammenfassung).
- Norbert G. Distler,
"Untersuchung von keltischer Graphittonkeramik mit
Neutronenaktivierungsanalyse und Mössbauerspektroskopie,"
Diplomarbeit, 1996.
- Andreas Kyek,
"Oberflächensensitive Mössbauerspektroskopie an Gold,"
Diplomarbeit, 1996
(Zusammenfassung).
- Martin Regen,
Konversionselektronen-Mössbauerspektroskopie mit der 77 keV Gammastrahlung von 197Au,"
Diplomarbeit, 1994.
- Manfred Baier,
"Mössbauerspektroskopische Untersuchungen an Metall-Wasserstoff-Systemen,"
Doktorarbeit, 1994.
- Josef Friedl,
"Untersuchungen an Goldmineralen und goldhaltigen Erzen mittels Mössbauerspektroskopie,"
Doktorarbeit, 1993.
- Gerhard Große,
"Wasserstoffinduzierte Gitterverzerrungen in Niobhydrid: Mössbauerspektroskopie und
Monte Carlo-Simulation,"
Diplomarbeit, 1992.
- Rolf-Dieter Bott,
"Untersuchung zum Brennverhalten von keltischer Keramik aus dem Oppidum von Manching,"
Diplomarbeit, 1992.
- Thomas Raudaschl,
"Mössbauerspektroskopie and gemischtmetallischen Katalysatoren,"
Diplomarbeit, 1992.
- Brigitta M. M. Elffroth,
"Untersuchungen zum Brennverhalten von Keramik aus Kamid el-Loz,"
Diplomarbeit, 1991.
- Hans-Jürgen Rinser,
"Beiträge zum Verständnis des Systems 57Fe:NbHx:
Mössbauerspektroskopie und Monte Carlo-Simulation,"
Diplomarbeit, 1991.
- Josef Friedl,
"Mössbauerspektroskopische Untersuchungen an Mineralen, Erzen und
Aktivkohleadsorbaten des Goldes,"
Diplomarbeit, 1989.
- Henning Freiherr von Brandis,
"Mössbauerspektroskopie an Pt-Ir-Katalysatoren,"
Diplomarbeit, 1989.
- Georg Schneider,
"Untersuchung von Nickelhydrid unter hohem Druck mit Hilfe der Mössbauerspektroskopie an 57Fe,"
Diplomarbeit, 1989.
- Manfred Baier,
"Untersuchung von Nickelhydrid mit Hilfe der Mössbauerspektroskopie an 57Fe,"
Diplomarbeit, 1989.
- Sybille Gräfin v. Lippe,
"Mössbauerspektroskopie an reduzierend gebrannten archäologischen Keramiken,"
Diplomarbeit, 1989.
- Rainer W.J. Wordel,
"Untersuchung von Niobhydrid und Niobdeuterid mittels der Mössbauerspktroskopie
und der gestörten Gamma-Gamma Winkelkorrelation,"
Doktorarbeit, 1988.
Zeitschriftenartikel und Konferenzbeiträge
- L. Stievano, S. Santucci, L. Lozzi, S. Calogero and F.E. Wagner,
"197Au Mössbauer Study of Gold Nanoparticles Obtained
by Evaporation of Metallic Gold on Mylar,"
J. Non-Cryst. Mat. (1998)
- G. Grosse, F.E. Wagner, V.E. Antonov and T.E. Antonova,
"Influence of Dissolved Hydrogen on the Néel Temperature
of alpha-Mn(Sn) Solid Solutions,"
ICAME '97
- U. Wagner, R. Gebhard, E. Murad, G. Grosse, J. Riederer, I. Shimada and F.E. Wagner,
"Formative Ceramics from the Andes and their Production: A Mössbauer Study,"
Hyperfine Interactins 110 (1997) 165.
- F.E. Wagner, S. Galvagno, C. Milone, A.M. Visco, L. Stievano and S. Calogero,
"Mössbauer Characterisation of Gold/Iron Oxide Catalysts,"
J. Chem. Soc., Faraday Transact. 93 (1997) 3403.
- G. Grosse, F.E. Wagner, V.E. Antonov and T.E. Antonova,
"119Sn Mössbauer Study of Mn3SnHx,"
J. Alloys Comp. 253-254 (1997) 339.
- M. Bork, R. Hoppe, A. Hofstaetter, A. Scharmann und F.E. Wagner,
"Ein grünes paramagnetisches Goldfluorid - Sn1-xAuxF4?"
Z. anorg. allg. Chemie 622 (1996) 1721.
- J. Friedl, A. Füssel, R. Gebhard, A. Kyek, G. Lehrberger, T. Kobayashi, M. Regen and F.E. Wagner,
"197Au Mössbauer Study of Celtic Gold Coins,"
Conf. Proc. Vol. 50, Int. Conf. on the Applications of the Mössbauer Effect,
Rimini, Italy, 10-16 Sept. 1995, Ed. I Ortalli (Italian Physical Society,
Bologna 1996) 773.
- R.D. Bott, R. Gebhard, F.E. Wagner and U. Wagner,
"Mössbauer Investigation of Graphite Ware from the Celtic Oppidum of Manching,"
Hyperfine Interactions 91 (1994) 639.
- F.E. Wagner, J.A. Sawicki, J. Friedl, J.A. Mandarino, D.C. Harris and L.J. Cabri,
"197Au Mössbauer Study of the Gold-Silver Ditellurides Sylvanite,
Krennerite and Calaverite,"
Canadian Mineralogist 32 (1994) 189.
- M. Baier, M. Karger, R. Ostermayer, F.E. Wagner, I. Duganzic, H.J. Bauer, V.E. Antonov, T.E. Antonova and S.M. Filipek,
"Hydrogen Uptake of Palladium-Gold Alloys Studied by 197Au Mössbauer Spectroscopy,"
Z. Phys. Chem. NF 179 (1993) 309.
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